Internationaler Gerichtshof entscheidet gegen Fluglärm!

Das Gericht ordnet an: Nachtflüge müssen gerechtfertigt werden!

Von Paul Brown- Umweltkorrespondent, The Guardian, 13. März 2000

Laut dem Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg könnten Nachtflüge in Heathrow gegen das Recht auf ein anständiges häusliches Leben von Familien, die innerhalb der Flugroute leben, verstoßen.

In einem Testfall über Fluglärm hat das Gericht die Regierung aufgefordert, zu rechtfertigen, warum eine Million Menschen in London unakzeptablem nächtlichen Lärm ausgesetzt ist.

Acht Ortsansässige in der Nähe von Heathrow bekämpfen seit sieben Jahren die Entscheidung der Regierung, 16 Nachtflüge zwischen 4 und 6 Uhr Früh und unbeschränkte Flüge zwischen 6 und 7 Uhr Früh zu erlauben.

Die Richter in Strassburg haben den Fall angenommen und die Regierung aufgefordert, Rechenschaft darüber abzulegen. Bis jetzt hat es die Regierung nicht geschafft, eine Verteidigungsstrategie auszuarbeiten- teilweise deshalb, weil das einzige Argument im Gesetz, das dafür offen zu sein scheint, darauf abzielt, dass Nachtflüge für die nationale Wirtschaft wichtig sind.

Die Anwältin Susan Ring, die mit ihrem Partner, Richard Buxton, die Anwohner vertritt, sagte, dass der Gerichtshof für Menschenrechte akzeptierte, dass aufgrund von Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention Nachtflüge gegen das Recht auf Genuss des Eigenheims verstoßen könnten. Der Fall war schon durch gerichtliche Revisionen in England und zum House of Lords gegangen.

Ein Richter des Obersten Zivilgerichts hat den Fall der Regierung als „abwegig und höchst unattraktiv“ beschrieben.

Ms Ring fügte hinzu: „Das war, noch bevor das Verhalten der Regierung als unehrlich entlarvt wurde: sie erzählten eine Sache den Ortsansässigen und den Gerichten, und etwas ganz anderes dem öffentlichen Terminal 5- Prüfungsausschuss.“

Die Regierung hatte die Nachtflüge 1993 eingeführt, um die kommerziellen Interessen der Fluglinien zu fördern, obwohl sie zuvor behauptet hatte, der Lärm solle reduziert werden.

Nach englischem Recht dauert „Nacht“ von 23:30 bis 7:00 aber die Regierung kappte eine Stunde, um unbeschränkte Flüge nach 6:00 zu erlauben.

Phillipa Edmunds lebt weniger als eine Meile vom Ende der Rollbahn entfernt und ist einer der acht Menschen, die vor den Strassburger Richtern ausgesagt haben. Sie hat zwei Kinder: Lucy,8, und Eve,6, die regelmäßig von Jets aufgeweckt werden. „Schlafentzug wird als eine Form von Folter verwendet. Genau das passiert, wenn diese Jumbo Jets um 4:00 anzukommen beginnen und immer weiter kommen. Es ist eine Menschenrechtsfrage: das Recht auf anständigen Nachtschlaf. Wir haben das Haus doppelt verglasen lassen, das hilft, aber es ist nicht genug. Wir tragen Ohrstöpsel und können die Fenster nicht öffnen. Es beeinträchtigt unsere Stimmung und unsere Produktivität in der Arbeit.“

John Cavalla, ein pensionierter Forscher, lebte 42 Jahre lang in der Nähe von Heathrow in der Flugroute von Osterley, im Westen von London, aber er zog weg, weil er die Nachtflüge nicht mehr länger ertragen konnte. „Am Anfang gab es keine Nachtflüge, und dann wurde es einfach schlimmer und schlimmer. Sie begannen um 4 Uhr Früh und wurden immer häufiger. Zwischen 6:00 und 7:00 kamen sie alle 90 Sekunden. Mit der Zeit macht es dich einfach verrückt. Wir mussten weg von dort.“

Ms Ring sagte, dass die Gegend in der Nähe von Heathrow wegen der Nachtflüge zu einem Ghetto von Armenunterkünften geworden ist. „Jeder mit genug Geld oder einem anständigen Job zieht weg. Zurück bleiben die mit schlecht bezahlten Jobs. Nur Menschen, die es sich nicht leisten können, irgendwo anders hin zu gehen, leben unter der Nachtflugroute.“

Übersetzung: Maria Schuster